Dieses Interview wurde uns freundlicherweise von Heidrun Meyer/ Sittensen aktuell zur Verfügung gestellt. Auf der Seite „Sittensen Aktuell“ finden Sie auch ein Videointerview!
Über 1,5 Jahre leitet Kirsten Pierstorff nun schon die Geschicke der Grundschule Sittensen. Zeit, einmal nachzufragen….

Würden Sie uns bitte ein paar Fakten über sich und ihren beruflichen Werdegang erzählen?
Meinen beruflichen Werdegang habe ich mit meinem Studium in Oldenburg begonnen. Ich habe davor schon viel mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Ursprünglich stamme ich aus Visselhövede und war lange dort in der Kinder- und Jugendarbeit der Kirchengemeinde aktiv. Auch im Kirchenvorstand habe ich mitgewirkt. Für mich war immer schon klar, ich möchte unbedingt etwas mit Menschen machen. In Bomlitz im Landkreis Heidekreis habe ich mein Referendariat absolviert. Meine erste Stelle hatte ich in Ahlden/Aller, bin dann aber der Liebe wegen nach zwei Jahren nach Hamburg gewechselt. Dort habe ich an einer inklusiven Schule gearbeitet und die Grundschulstufe geleitet.
Wie kam es zur Entscheidung, den Arbeitsstandort zu wechseln?
Wir haben vier Kinder. Aus der Elternzeit heraus sind wir aus beruflichen Gründen meines Mannes nach Amerika gegangen und haben dort fünf Jahre gelebt. Es war eine tolle Erfahrung. Meine Kinder sind dort eingeschult wurden, der Jüngste ist dort geboren. 2017 sind wir zurückgekommen und haben noch von Amerika aus eine neue Heimat gesucht. So hat es uns nach Sittensen gebracht. Ein Ort, in dem man alles findet, was man zum guten Leben braucht. Über den Lehrer-Ländertausch musste ich dann von Hamburg nach Niedersachsen zurückkommen.
Das hat gut geklappt, so dass ich 2018 an der Grundschule in Ahlerstedt angefangen und bis 2024 gearbeitet habe. Drei Jahre als stellvertretende Schulleiterin und im letzten Schuljahr als kommissarische Rektorin. Da sich die Schule zur GOBS, also Grund- und Oberschule, weiterentwickelt hat, habe ich mich nach einer neuen, schulischen Heimat umgesehen. Am Wohn- und Lebensort zu arbeiten hat bekanntlich Vor- und Nachteile. Ich genieße jedoch die Nähe sehr, kann mit dem Fahrrad zur Schule kommen und bin bei abendlichen Schulveranstaltungen schnell vor Ort.
Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf am meisten?
Mein Weg hat mich interessanterweise immer in Richtung Leitung geführt. Das ist oft keine bewusste Entscheidung von mir gewesen. Ich habe offensichtlich Fähigkeiten und Kompetenzen mitgebracht, die geschätzt worden sind. Und Leitung macht mir Spaß. Ich bin aber auch mit vollem Herzen Lehrerin. Leider gerät diese Arbeit durch die Leitungsfunktion in den Hintergrund. Je größer das Schulsystem ist, umso weniger unterrichtet man. Denn der Verwaltungsaufwand und die Bürokratie sind groß.
Was ist Ihre Vision für die Schule in den nächsten Jahren?
Ich musste natürlich erst einmal ankommen und mir einen detaillierten Einblick verschaffen. Ich wusste schon einiges, denn meine drei Söhne waren auch hier an der Schule. Wir überlegen als Kollegium, eine QuiS-Weiterbildung zu machen, dass ist eine zweijährige Qualitäts-Weiterbildung zur inklusiven Schule. Das ist mit vielen Fortbildungsterminen verbunden. Wir spüren aber, dass die Herausforderungen größer werden und Kinder Bedarfe haben. Gleichzeitig müssen durch die Lehrerknappheit und insbesondere auch die Knappheit an Förderschullehrerstunden diese Aufgaben durch uns normale Lehrkräfte bewältigt werden. Da wollen wir uns also auf den Weg machen. Ein großes Thema ist der Ganztag, der mit Veränderungen einhergehen wird. Wir haben darüber hinaus weitere tolle Projekte, die am Leben gehalten werden wollen.
Sehen Sie sich gut aufgestellt an Ihrer Schule?
Schule wird immer vielfältiger. Wir haben viele Schulbegleitungen, die Teil der Schulfamilie sind. Wir sind schon eins der größeren Schulsysteme hier. Die Schülerzahl beläuft sich derzeit auf 380, wir haben 25 Lehrkräfte, vier Bundesfreiwilligendienstleistende und sechs pädagogische Mitarbeiterinnen. Grundsätzlich sind wir ganz gut aufgestellt. Aber natürlich ist Lehrermangel auch bei uns ein Thema. Wir hatten jetzt eine Stelle ausgeschrieben, die wir nicht besetzen konnten und durch Vertretungslehrkräfte auffüllen mussten. Wir bilden auch aus und haben derzeit zwei Referendarinnen an unserer Schule. Das ist auch eine gute Möglichkeit, Lehrkräfte zu gewinnen. Wir sind ein überwiegend weiblich besetztes Kollegium mit nur einer männlichen Lehrkraft. Der Weg von Männern führt tatschlich meist an weiterführende Schulen.
Wie möchten Sie den Lernerfolg und Schülerleistungen verbessern?
Es steht und fällt damit, sowohl personell als auch multiprofessionell aufgestellt zu sein. Diese Faktoren können wir aber nur bedingt beeinflussen. Wir bilden uns regelmäßig weiter, um auch den veränderten Ansprüchen gerecht zu werden. Kindheit hat sich durch verschiedene Einflüsse verändert. Wir sind eng mit den Kindergärten im Gespräch, wir haben ja auch das Hand-in-Hand-Projekt, um den Übergang von Kita zur Schule so positiv wie möglich zu gestalten. Wir halten dieses wichtige Projekt mit eigenen Stunden am Leben. Grundschule leistet viel Arbeit. Was uns natürlich helfen würde, wären kleinere Klassen. Das ist aber im Zuge der Lehrerknappheit natürlich ein Problem. Die Klassengröße trägt schon zum Lernerfolg bei.
Wie sieht für Sie eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Schulleitung, Lehrern, Eltern und Schulträger aus?
Das funktioniert hier sehr gut. Man merkt auch, dass der Schulträger ein Herz für Schulen hat. Wir haben Bufdis bekommen, die von der Samtgemeinde finanziert werden, und es wurde eine zusätzliche Schulsozialarbeiterstelle geschaffen. Wir versuchen auch gemeinsam, die Herausforderungen zur Umsetzung des Ganztags zu bewältigen. Wir haben eine sehr engagierte Elternschaft, einen Förderverein, der sehr aktiv ist, einen Elternrat, einen Schülerrat aus den gewählten Klassensprechern und -sprecherinnen und als weiteres Gremium den Klassenrat. Wir fördern demokratische Prozesse, das ist ein großes Thema bei uns. Die Kinder werden mit eingebunden, deswegen dauern manche Prozesse von der Entscheidung bis zur Umsetzung auch mal länger. So soll für unsere Bücherei neues Mobiliar angeschafft werden, Lesehöhlen sollen ebenfalls entstehen.
Welche Schwerpunkte kennzeichnen Ihre Schule?
Wir fördern soziales Lernen, dass ist in unserem Schulprogramm verankert und geht durch alle Klassen. Wir haben auch das große Glück, an unserer Schule eine ausgebildete Mediatorin und eine Beratungslehrerin zu haben. Fort- und Weiterbildungen sind ebenfalls ein großes Thema. Einige Kolleginnen haben das Fortbildungsprogramm für Klassenlehrkräfte KIK (Kommunikation-Interaktion-Kooperation in Schule und Unterricht) absolviert, andere an der QuaMath-Qualifizierung zur Stärkung der mathematischen Bildung teilgenommen. Außerdem sind wir eine Plattdeutsch-Schule und aktiv am Verbund Förderungen Besonderer Begabungen Niedersachen beteiligt und halten jedes Halbjahr dafür Angebote vor.